Hallo Liebe Leser,
wir sind Silvia und Jens, Gründer der Marke „Die Ruhrpottcleaner“.
Zusammen reinigen wir, was keiner sehen will und helfen betroffenen Menschen mit dem Messie-Syndrom, nach einer Entrümpelung und desinfizierenden Grundreinigung neu durchzustarten.
In einem vorherigen Blogbeitrag haben wir Ihnen konkrete Maßnahmen genannt, die Sie treffen können, falls Sie am Messie-Syndrom leiden und das für sich erkannt haben (siehe hier). Für uns ist es an dieser Stelle wichtig, dass nicht einfach “alles über einen Kamm geschoren” werden kann. Aus unserer Erfahrung gibt es verschiedene Ausprägungen des Messie-Syndroms und entsprechend für unsere Arbeit auch verschiedene (Schutz-)maßnahmen, die wir im Vorfeld treffen müssen.
Grob gesagt unterscheiden wir zwischen zwei verschiedenen Typen:
- Trockenmessie
- Nassmessie
Das mag auf den ersten Blick völlig unspektakulär sein oder gar willkürlich, hat aber durchaus einen ziemlich ernsten Hintergrund, der über die weitere Vorgehensweise entscheidet.
Widmen wir uns dem ersten Typ:
1. Der Trockenmessie
In einem “trockenen” Messiehaushalt ist es oftmals sehr schwierig, überhaupt das Messie-Syndrom zu erkennen. Die Grenzen sind manchmal sehr fließend und nicht selten kommt es vor, dass hier gar nicht von einem Messie gesprochen werden kann.
In einem anderen Blogbeitrag haben wir die Definition des Messie-Syndroms konkretisiert. Für uns als Dienstleister ist das aber erstmal nicht erkennbar, ob die betroffene Person an einer Zwangsstörung gelitten hat.
Der für uns definierte “Trockenmessie” sammelt Gegenstände. Das können Bücher, Zeitschriften oder Sammelfiguren sein. Auch andere Dinge sind denkbar. Allen ist gemeinsam, dass sie erstmal keine Auswirkungen haben, wenn sie in die Ecke gelegt und gesammelt werden. Maximal ein bisschen Staub, wenn sie länger nicht bewegt werden.
Das Ganze wird erst zum Problem, wenn es an das krankhafte horten geht und das Leben sich nur noch um die Gegenstände dreht. Wie schon geschrieben, reden wir hier nicht davon, wenn jemand die Zeitschrift “xy” sammelt und behält oder sich verschiedene Sammelfiguren in die Vitrine stellt.
Wir definieren das ungesunde Verhältnis zu den Dingen, die gesammelt werden und das zwanghafte Verhalten, diese Dinge horten zu müssen.
Aber auch hier sei nochmal ganz klar darauf hingewiesen: Wir verurteilen niemanden für diese Verhaltensweise, denn auch hier gibt es eine klare Ursache, die wir aber als externer Dienstleister nicht ergründen können bzw. in den meisten Fällen auch gar nicht ergründen wollen.
Ein “Trockenmessie” ist aber auf jeden Fall leichter für uns zu handhaben. Hier benötigen wir keine besonderen Schutzmaßnahmen ( es sei denn, es ist sehr staubig, dann arbeiten wir natürlich mit Handschuhen und einer FFP2 Maske ). Ganz selten entwickelt eine derartige Wohnung einen Geruch oder gar extremen Gestank, zudem gehen die Entrümpelung und die anschließende Reinigung recht zügig vonstatten.
Dahingegen haben wir aber noch den Typ 2, den sog. “Nassmessie”. Sie ahnen es sicherlich schon, hierunter fallen für uns die harten Fälle, die nichts mit Zeitschriften oder Sammelfiguren zu tun haben.
2. Der Nassmessie
Wie Sie aus dem Namen vielleicht schon entnehmen können, finden wir in derartigen Wohnungen manchmal ziemlich eklige Dinge vor. Das können überlagerte Lebensmittel sein, aber auch Exkremente oder sonstige Hinterlassenschaften.
Bei solchen Aufträgen zeigt sich meistens die ganze Bandbreite und ein oftmals sehr hartes Schicksal, welches wir fast zwangsläufig auch erahnen können.
Ein “Nassmessie” hortet zwanghaft viele verschiedene Gegenstände, ist ziemlich oft alkoholabhängig und zeigt dementsprechend viel Verwahrlosung. Müll wird nicht mehr in die Mülltonne gebracht, sondern in der Wohnung gesammelt, die Toilette ist stark verschmutzt bis nicht mehr nutzbar und ganz oft haben wir auch schon Schädlingsbefall in Form von Kakerlaken oder gar Nagetieren.
Für uns ist in so einem Fall Alarmstufe Rot. Wir hatten erst letztes Jahr bei heißen Außentemperaturen einen Fall, dass sogar in der Nachbarwohnung schon Maden durch das Fenster gefallen sind. Die Wohnung an sich war voller Exkremente und Müll, der Geruch breitete sich schon bis auf die Straße aus. Hier war dann letzten Endes absolute Schnelligkeit gefragt, von einem auf den anderen Tag sind wir dann in dieser Wohnung tätig geworden und mussten sie bis auf die Grundmauern entkernen, da wird sonst dem Geruch und Madenbefall nicht mehr Herr geworden wären.
Ferner bedeutet ein “Nassmessie” für uns immer: Vollschutz! Das volle Programm mit speziellen Stiefeln, Anzügen und Atemschutzmasken. Sie können sich sicherlich vorstellen, dass so eine Wohnung für Außenstehende auch extrem gesundheitsgefährdend sein kann.
Speziell in diesen Fällen ist aber auch nochmals mehr Fingerspitzengefühl gefragt, hier brauchen wir nochmal ein Quäntchen mehr Diskretion, als wir ohnehin schon haben und je nachdem, ob die betroffene Person noch lebt, nochmal eine kleine Ecke mehr Empathie.
Denn auch wenn eine derartige Wohnung für Außenstehende erstmal abschreckend oder gar abstoßend wirkt, haben wir es immer noch mit einem Menschen zu tun, der Hilfe und Unterstützung benötigt. Sie erinnern sich bestimmt an unseren Satz aus dem letzten Blogartikel: Sprücheklopfer gibt es genug, echte Anpackermentalität hingegen sehr selten. Gerade die braucht man aber in so einer Wohnung, denn sonst schaffen wir es selbst als Experten nicht, alles wieder auf Vordermann zu bringen.
Schwierig ist an der Stelle aber auch ganz klar, das Schicksal nachzuvollziehen. Wenn ich an die o.g. Wohnung denke, fallen mir ganz viele leere Weinflaschen ein, dazu noch Töpfe und Flaschen voller Urin, benutzte Windeln und ganz viel Leid. Es war förmlich zu spüren, dass diese Person sich komplett selbst aufgegeben hatte und nicht mehr mit dem Leben zurecht kam.
Nach solchen Aufträgen ist es übrigens fast schon Pflicht, nach Feierabend innerhalb des Teams zu reden und den Auftrag Revue passieren zu lassen, damit sich die Bilder nicht festsetzen.
Hier nochmal der Appell: Befinden Sie sich gerade selber in so einer Situation oder kennen Sie jemanden? Dann werden Sie aktiv! Rufen Sie uns gerne an oder schreiben uns eine E-Mail. Wir können nur von ganzem Herzen sagen: Lassen Sie sich von jemandem helfen, der sich damit auskennt. Aber bitte lassen Sie sich nicht selbst weiter verwahrlosen.
Wir hoffen, dass dieser Blogbeitrag nicht zu schwer verdaulich war. Wir möchten weiterhin Aufklärungsarbeit leisten und nicht verurteilen.
Bitte lassen Sie sich nicht hängen an der Stelle, sondern kommen auf uns zu. Gemeinsam finden wir eine Lösung!



